Was China auf die neue Seidenstraße treibt

Modell einer Brücke im Rahmen des "Belt and Road Forums" in Peking (Foto vom 18.04.2017)

Modell einer Brücke im Rahmen des “Belt and Road Forums” in Peking. Während der Konferenz hat Chinas Präsident für den Bau einer “Neuen Seidenstraße” geworben.

(Quelle: ap)

Bild Modell einer Brücke in Peking
Video China will neue Seidenstraße
Doku Chinas Macht auf dem Meer
Video Entfesselter Immobilien-Run

von Eva Ingold, Peking

Es geht um nicht weniger als die Errichtung eines Imperiums: Mit einem milliardenschweren Programm will China die legendäre Seidenstraße wiederbeleben. Wohlstand für alle, Austausch der Kulturen und sogar den Weltfrieden soll das bringen. Vor allem aber Macht – für China.

Was Chinas Präsident Xi Jinping ankündigt, klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Einen neuen Wirtschaftskorridor wolle er schaffen, freier Handel entlang der Routen der altehrwürdigen Seidenstraße. Dafür will Peking in den nächsten Jahren umgerechnet mehr als 100 Milliarden Euro investieren. Straßen, Eisenbahnstrecken und Häfen sollen so ausgebaut werden, dass das Geschäft florieren kann. “Wir wollen die Seidenstraßeninitiative vorantreiben, so dass die Menschen auf der ganzen Welt davon profitieren”, sagte Xi in seiner Eröffnungsrede. “Wir wollen eine Straße des Friedens schaffen.”

Zweifel am selbstlosen China

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Dass China mit seiner “One Belt, one Road”-Initiative tatsächlich am Wohle der gesamten Menschheit gelegen ist, bezweifeln viele Kritiker. Es ist von einer “Einbahnstraße” die Rede und von einer “Globalisierung nach chinesischer Prägung”. Chinas Außenpolitiker Yang Jiechi bezeichnet die Initiative zwar als “Sinfonie, an der mehrere Länder mitwirken”. Jedoch räumt er unumwunden ein, das Ziel sei, “dass China dabei den Ton angibt”.Seit Jahren stagniert das Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte. Neue Märkte müssten dringend erschlossen werden. Doch hohe Strafzölle behindern das Geschäft, vor allem mit der westlichen Welt. Die Initiative könnte also vor allem China nützen, das Handelshemmnisse aus dem Weg räumen und so seine Waren leichter in den beteiligten Staaten an den Mann bringen möchte.

Die EU als Spielverderber

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Für Deutschland ist Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries nach Peking gereist. Ihr Ziel ist es, für offenen und freien Handel zu werben, “der dann bitte auch gegenseitig ist”. Ausländische Unternehmen kritisieren immer wieder, dass Peking ihnen den Zugang zum chinesischen Markt erschwere. Es könne nicht angehen, so Zypries, dass die Chinesen “mit Geldern, deren Herkunft nicht immer zweifelsfrei ist”, in Deutschland Unternehmen kauften, während deutsche Firmen in China zwangsweise Joint Ventures mit chinesischen Unternehmen eingehen müssten.Im Streit um derartige Marktbarrieren kam es schon am ersten Tag des Gipfels zu einem Eklat: die EU-Staaten weigerten sich, eine Erklärung über Handelsfragen zu unterzeichnen. China sei nicht bereit gewesen, europäische Anliegen aufzunehmen. “Die Chinesen lassen nicht mit sich reden”, sagte ein EU-Mitarbeiter, der mit den Verhandlungen vertraut war, der Nachrichtenagentur dpa. “Sie nehmen nur unsere Kommentare zur Kenntnis, aber es ändert sich praktisch nichts.” Den Europäern geht es um Transparenz, öffentliche Ausschreibungen sowie Sozial- und Umweltstandards bei der Umsetzung der Initiative. Am Montag hat China noch die Chance, sich auf die EU zuzubewegen.

Proteste entlang der Route

Auch in Asien sind nicht alle froh über Pekings Pläne. In Thailand protestieren Umweltschützer gegen Chinas Vorhaben, Uferteile des Mekong zu sprengen, um den Fluss für große Containerschiffe passierbar zu machen. “Das wäre der Tod des Mekong”, sagt Niwat Roykaew von der Rak Chiang Khong Conservation Group. “Laichgebiete für Fische würden zerstört und durch das schneller fließende Wasser wäre die Erosion des angrenzenden Ackerlandes verheerend.” Sie Stimmung ist so aufgeheizt, dass chinesische Arbeiter, die bereits mit den Sprengungen begonnen haben, um ihre Sicherheit fürchten.Im Hafen der pakistanischen Stadt Gwadar wurden am Samstag zehn Bauarbeiter erschossen. Sie waren auf einer Baustelle im Einsatz, die China im Rahmen des Seidenstraßenprojekts finanziert. Verantwortlich für den Anschlag machen Behörden eine Rebellengruppe, die sich gegen die chinesische Präsenz in der Provinz ausspricht.

Die Welt beglücken

Peking will die Welt mit allem auf einmal beglücken: Wohlstand und Frieden, freiem Handel, Förderung von Kunst und Kultur. All das, nach seinen eigenen Vorstellungen und Maßstäben. Dies scheint schon jetzt auf Widerstand zu stoßen. Dabei hat das Spiel der Seidenstraße um wirtschaftliche und politische Macht noch gar nicht richtig angefangen.

Die alte Handelsroute “Seidenstraße”

Deutscher gab Handelsroute den Namen

Archiv: Wüste nahe der chinesischen Stadt Dunhuang. In der Nähe kreuzte sich die nördliche und südliche Seidenstraße.Der deutsche Geologe und Geograf Ferdinand von Richthofen gab der alten Handelsroute zwischen China und Europa 1877 den Namen “Seidenstraße”. Der Forscher revolutionierte mit den Berichten von seinen Reisen zwischen 1860 und 1872 das Wissen Europas über China. Der Name stammt von einem der wichtigsten Handelsgüter – der Seide, die schon im alten Rom sehr beliebt war.

Handel begann vor mehr als 2.000 Jahren

Handelgüter: Waren und Religion

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